Animes werden immer blöder

Wenn sicher keiner dazu bekennen will, dann mach ich es halt. Auch wenn meine Thesen natürlich nicht so weit gehen, wie der Titel andeutet. Er ist polemisch und Shino hat den Term benutzt, also habe ich es als guten Aufhänger für einen Artikel befunden. Als denn, auf zum Untergang der Animeindustrie.

Zunächst einmal ist es ganz schlecht davon zur reden, dass Anime schlechter geworden sind. Schlechter in welchem Bezug? Verkaufszahlen? Animation? Liebe? Jede dieser Fragen lässt sich anders oder gar nicht beantworten und im allgemeinen kann man simpel sagen, dass Anime sich schlicht entwickelt hat. Ob uns die Richtung nun gefällt oder nicht, ist ein anderes Lied dass ich jetzt nicht singen mag.

Es ist nicht 2012 , aber ich möchte trotzdem den Untergang der japanischen Animationsindustrie prophezeien. Ja, richtig getippt, ich bin der Kerl der halb sieben früh an eurer Haustür klingelt und schreit: “Anime ist tot! Und wir haben ihn getötet.” Und ihr seid die Typen die mir dann immer keine Spende geben wollen. Wer jetzt diese Aussage auf mein kürzlich entfachtes Interesse an My little Pony: Friendship is Magic zurückführen möchte, der hat absolut recht. Es war tatsächlich die temporärer teilweise Abkehr von Anime, die mir diesen Blick ermöglicht hat.

Wenn nicht schon bei der Überschrift, so ist nun der Punkt gekommen, an dem ihr meinen Text nicht mehr Ernst nehmt. Vielleicht tippt ihr schon an einem bissigen Kommentar, aber vielleicht wartet ihr noch ab, bis ihr meinen Text vollendet habt. Und ich habe durchaus noch Dinge zu sagen, darunter sowas wie Argumente, also Finger weg von der Tastatur und weiterlesen.

Zunächst allerdings kein Argument, sondern eine Erweiterung meiner These. Anime ist nicht tot. Im Gegenteil, man möchte meinen, dass es lebendiger den je ist, die Euphorie um japanische Animation tobt immer noch wild, Blurrays und DVDs werden in Tausenden verkauft und man kann dem Markt auch nicht anhängen, dass er nur Mist produzieren würde. Auch damals bestand nicht jede Season aus einem Hit nach dem anderen. Das Internet ist gefüllt mit Animefans.

Doch Anime ist nicht unsterblich und im Gegensatz zu seiner derzeitigen Lebensfreude Todkrank. Von innen heraus von Krankheiten und Fehlstellungen zerfressen, wurde ihm kein Heilmittel gegeben, stattdessen haben wir es verwöhnt, ob wir nun von den Leiden wussten oder nicht. Jetzt haben wir ein Fettleibiges Ungetüm voller inner Beschwerden vor uns und füttern es noch.

Wenn ich in diesem Zusammenhang von “wir” spreche, dann meine ich nicht zwanghaft mich oder sogar dich, den Leser dieses Artikels, sondern vielmehr das gesamte Spektrum an Animefans. Denn so sehr man auch von sich eingenommen ist, allein hat man recht wenig Auswirkung auf den Markt. Es bedarf schon mehreren Tausendschaften, die man betrachten muss.

Doch was sind die Krankheiten die mir nicht gefallen? Oh es dreht sich nicht so sehr um den Teilweise hohen Ecchigehalt oder Moeserien, was mich beschäftigt. Ich bin nicht gezwungen, diese Serien zu sehen, wenn sie Leuten gefallen, dann bitte. Die bezahlen dafür, ich nicht. Wer nicht wählt, hat nicht über die Wahlergebnisse zu meckern; wer nicht zahlt, hat sich nicht über das Angebot zu beschweren.

Nach 500 Wörtern und acht Absätzen komme ich nun endlich zum Punkt. Das Problem liegt weniger in den Serien selbst, sondern in den Leuten dahinter und den Leuten davor. Fanservice. Fanservice hat den falschen Namen. Es sollte Customerservice heißen. Denn nichts anderes ist das mehr. Die Kunden wollen Pantyshots? Die Kunden bekommen Pantyshots, dann kaufen sie auch mehr. Wir sind glücklich, die sind glücklich, alles palleti. Die Produzenten bieten auf dem Markt etwas an und die Kunden kaufen.

Das ist es und nicht mehr. Jetzt wird der geneigte Leser die Augenbraue hochziehen und sich fragen “Ja, aber das war doch schon immer so und mit Büchern und Filmen ist es auch nicht anders. Und Bücher haben nicht mal Pantyshots.” Richtig. Völlig richtig, geneigter Leser wird aber zugeben müssen, dass sich die Welt entwickelt hat und entwickeln wird. Man denke daran, dass es Fanpost gibt. Filmstars, Autoren und auch Mangaka erhalten Fanpost, die sie beantworten mögen oder auch nicht.

Und jetzt kommt der Clue: Heutzutage muss kein Brief mehr wochenlang durch die Welt wandern, heutzutage gibt es das Internet. Und das ist der Schlüssel zum Ganzen. Fankommunikation auf hoher Ebene ist heute möglich und einfach. Aber wie viel findet da mit den Animestudios statt?

Behaltet die Frage im Kopf und erinnert euch, was Japan besonders stark macht. Nicht nur in der Animeindustrie, sondern in der gesamten Wirtschaft. Richtig, es ist die Strebsamkeit und der pure Arbeitsgeist der Japaner. Eine allgemeine eiserne Disziplin, die wir Deutschen nicht ohne Grund beeindruckend finden. Auch japanische Mangaka sind Arbeitstiere. Der Beruf ist nicht sonderlich gut bezahlt (es sei denn man ist ein Ausnahmetalent und hat wirklich eine alles hinwegfegende Serie geschrieben) und die meisten Mangaka arbeiten wöchentlich. Ach wie traurig wir doch sind, wenn eine Woche mal kein neues Kapitel heraus kommt. Mangaka sind sehr eingespannt und auch die Animationsstudios haben jede Woche zu tun, ihre Episoden fertig zu bekommen. Und danach bleibt keine große Pause, denn die nächste Season steht an. Und dann noch Pressekonferenzen, Familie und Freunde.

Was die Industrie auf der einen Seite sehr stark macht, schwächt sie auf der anderen. Ihr erinnert euch vielleicht daran, dass Sankaku mal darüber hergezogen ist, dass Kubo über heutige Animemädchen im Fernsehen hergezogen ist. Aber das hörte sich nicht so an, als sähe er besonders oft Fernsehen und Anime. Und von den Studios hört man ja hauptsächlich was in Interviews und Pressekonferenzen. Wo bleibt da der Kontakt zu den Fans?

Sowohl Wakfu als auch My little Pony: Friendship is Magic haben bewiesen, dass es auch anders geht. Bei Wakfu kommunizieren die Produzenten in ihrem Forum mit ihren Fans, auch über mehr als “wir wollen eine Blurray, warum nicht” oder “ihr seid voll kacke, weil ihr eure Episoden nicht pünktlich abliefert”. Das ist zwar französisch, weil es Franzosen sind, aber mehr als ich von japanischen Produzenten gehört habe.

Und natürlich mein kleines Sternchen. My little Pony: Friendship is Magic. Ohne Mist, dass ist die beste Fankommunikation die ich bisher gesehen habe. Nicht nur, dass viele Teile des Teams mit den Fans sprechen, nein, der Channel auf dem die Serie läuft hat ohne Umschweife einen Song erstellen lassen, der den Fans direkt zunickt, “Bronys” erwähnt und für zwei Ponys die Fannamen übernimmt. Bronys sind nicht nur bloße Konsumenten, sie sind Fans die von den Entwicklern gesehen werden.

Die Animefans mögen noch so viele Artworks zeichnen, noch so viele AMV erstellen, noch so viel ihre Liebe teilen, die Studios gehen nicht darauf ein. Die Liebe ist recht einseitig. Im Gegenteil. YouTube Videos mit Openings werden gesperrt, Fans wegen Downloads verklagt, Fanart verboten, Fans gar beschimpft und Beziehungen zu Unternehmen beendet, weil Fans eine Serie sehen, die sie sonst nicht sehen können. Man hat offenbar an vielen Stellen vergessen, was Manga und Anime so groß in der Welt gemacht hat.

Und das kann man auch. Man kommt damit durch, die Fans sind auch glücklich, auch wenn man nicht mit ihnen redet, ihnen Videos wegsperrt, sie verklagt und hohe Preise verlangt. Es funktioniert und wird gekauft. Es gibt keinen Grund zu Änderung. Anime ist tot! Wir haben ihn getötet. Ein dickes, verwöhntes Kind voller Krankheiten und wir füttern es weiter ohne ihm ausreichend Medizin und Schelte zu geben. Und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis dieser 15 Jahre alte Junge anfängt zu verenden.

Natürlich werden auch My little Pony und Wakfu Anime nicht zum einstürzen bringen. Sie kratzen vielleicht eine Säule irgendwo an, mehr aber auch nicht. Aber sie rufen mir in Erinnerung, dass alles ein Ende hat. Auch die Dominanz der Anime. Vor allem, wenn es weiter darauf behaart für ewig nur seine alten Fragmente zu verbessern und anstatt neue zu erschließen. Zum Schluss noch folgendes: Herzlichen Glückwunsch lieber Leser, du hast einen Text ohne Bilder und Sarkasmus gelesen, man sollte dir in Zeiten wie diesen das eiserne Kreuz verleihen.

Wer noch nie in Betracht gezogen hat, dass Anime jemals untergehen könnte werfe den ersten Stein. Und zwar auf sich selbst.

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